Mit Euripides drang der Zuschauer auf der Bühne ein, der Mensch in der Wirklichkeit des alltäglichen Lebens. Oktober 1844 in Röcken, einem Dorf nahe Lützen im Kreis Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen (heute Sachsen-Anhalt), geboren.Seine Eltern waren der lutherische Pfarrer Carl Ludwig Nietzsche und dessen Frau Franziska.Seit der Reformation im 16. Wiederum eine Folge war es, daß die immer mehr eingeschränkte, in immer engere Grenzen getriebene Musik sich in der Tragödie nicht mehr heimisch fühlte, sondern außerhalb derselben als absolute Kunst sich freier und kühner entwickelte. Der Prozeß endet mit dem Intriguenstück: damit erst ist jener Dualismus vollständig überwunden, in Folge totaler Vernichtung des einen Wettkämpfers, der Musik. Einer der Namhaftesten, Philemon, erklärte, er würde sich sogleich aufhängen lassen, um den Euripides in der Unterwelt zu sehn: wenn er nur überzeugt wäre, daß der Verstorbene noch Leben und Verstand habe. Man muß klug, klar, hell um jeden Preis sein: jedes Nachgeben an die Instinkte, ans Unbewußte führt hinab... Ich habe zu verstehn gegeben, womit Sokrates faszinierte: er schien ein Arzt, ein Heiland zu sein. Er faszinierte als dieser extreme Fall – seine furchteinflößende Häßlichkeit sprach ihn für jedes Auge aus: er faszinierte, wie sich von selbst versteht, noch stärker als Antwort, als Lösung, als Anschein der Kur dieses Falls. Euripides war ein einsamer Denker, gar nicht nach dem Geschmacke der damals herrschenden Masse, bei der er als mürrischer Sonderling Bedenken erregte. Auch hier offenbart sich, wie Sokrates wirklich einer verkehrten und auf den Kopf gestellten Welt angehört. Das Verderben nahm seinen Ausgangspunkt vom Dialog. Nicht eher sei der Dichter fähig zu dichten, als bis er begeistert geworden und bewußtlos, und kein Verstand mehr in ihm wohne. Manches Zufällige, vom Dichter gar nicht Betonte, traf die Masse mit plötzlicher Wirkung. Was man aber auch für böse Einwirkungen von ihm ableitet, immer ist dies festzuhalten, daß Euripides mit bestem Wissen und Gewissen handelte und sein ganzes Leben in großartiger Weise einem Ideale geopfert hat. Die Sokratische Ironie ist also zugleich Heilmittel der antiken Gesellschaft und Mittel der Rache. Sokrates gehörte, seiner Herkunft nach, zum niedersten Volk: Sokrates war Pöbel. Unglück aber, durch Rechenfehler herbeigeführt, ist bereits mehr ein Lustspielmotiv. Wohin kam dies, wer nahm mir das?". Sobald aber zwei gleichberechtigte Hauptspieler sich gegenüber standen, so erhob sich, einem tief hellenischen Triebe gemäß, der Wettkampf und zwar der Wettkampf mit Wort und Grund: während der verliebte Dialog der griechischen Tragödie immer fern blieb. genießt er als Unterdrückter seine eigne Ferozität in den[953] Messerstichen des Syllogismus? Die Fanatiker der Logik sind unerträglich wie Wespen. Deshalb schrieb er einen Prolog als Programm und ließ ihn durch eine zuverlässige Person, eine Gottheit deklamieren. (F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, KGW IV, 2 … München 1954, Band 2, S. 951-957. Als sie eintreffen, wird Aristodemos vom Gastgeber sogleich freudig begrüßt und gebeten, sich neben Eryximachos zu setzen. Das, was Sophokles im Vergleich mit Aeschylus mehr wußte und worauf er sich etwas zu Gute that, war nichts, was außerhalb des Gebietes technischer Handgriffe gelegen hätte; kein Dichter des Alterthums bis auf Euripides war im Stande gewesen, sein Bestes mit aesthetischen Gründen wahrhaft zu vertreten. Die Juden waren deshalb Dialektiker; Reineke Fuchs war es: wie? Nietzsche deutet mit einer phantasievollen Entstehungshypothese das schlechte und damit das ganze Gewissen als Krankheitserscheinung. Während Platon das überlegene Individuum in den Dienst des Staates stellt, tritt Nietzsche für eine umgekehrte Rangordnung ein. Man muß sein Recht zu erzwingen haben: eher macht man keinen Gebrauch von ihr. Der Sokratismus ist älter als Sokrates; sein die Kunst auflösender Einfluß macht sich schon viel früher bemerklich. Jenes echt typische Bild des Hellenen, die Odysseusgestalt, war von Aeschylus zum großartigen, listig-edlen Prometheuscharakter gesteigert worden: unter den Händen der neueren Dichter sank sie zur Rolle des gutmüthig-verschmitzten Haussklaven herab, wie er so oft als verwegner Intriguant im Mittelpunkt des ganzen Dramas steht. Die Anhänger der "guten alten" Zeit pflegten den Namen des Sokrates und des Euripides als der Volksverderber in einem Athem zu nennen. Ist es nötig, noch den Irrtum aufzuzeigen, der in seinem Glauben an die »Vernünftigkeit um jeden Preis« lag? COPYRIGHT NOTICE: The content of this website, including text and images, is the property of The Nietzsche Channel. Es ist dies die ernsteste Frage unserer Kunst: und wer als Germane den Ernst dieser Frage [+ + +], Zwei öffentliche Vorträge über die griechische Tragödie. War Sokrates überhaupt ein Grieche? Lange vor Euripides haben diese Anschauungen schon an der Auflösung der Tragödie gearbeitet. Diesen aber hatte er auf den Zuschauerbänken des Theaters gewonnen. Kant und Nietzsche können uns bei der Beantwortung der Frage weiterhelfen. August 1900 in Weimar) war ein deutscher klassischer Philologe. Dies ist ungefähr das Princip jener seltsamen Missionsthätigkeit des Sokrates, die eine Wolke des schwärzesten Unwillens um ihn sammeln mußte, gerade weil niemand im Stande war, das Princip selbst gegen Sokrates anzugreifen: hätte man doch dazu nöthig gehabt, was man so gar nicht besaß, jene sokratische Überlegenheit in der Unterredungskunst, in der Dialektik. Additional Physical Format: Online version: Sandvoss, Ernst. Nach einiger Zeit kommt Sokrates dann doch noch, legt si… Der platonische Sokrates ist für Nietzsche ein Vertreter der "Sklaven- und Herdenmoral“ und als solcher ein Verneiner des "Lebensprinzips“, der sich dem Willen zur Macht widersetzt. Immerhin aber glaubte Euripides zu bemerken, daß während jener ersten Scenen der Zuschauer eine eigenthümliche Unruhe habe, das Rechenexempel der Vorgeschichte auszurechnen, und daß für ihn die dichterischen Schönheiten der Exposition verloren seien. und der Humor – auf Nietzsche, der in diesem Zusammenhang bereits in seiner ersten Schrift Die Geburt der Tragödie (1871/72) folgendes empfiehlt: „Ihr solltet vorerst die Kunst des dies seitigen Trostes lernen, – ihr solltet lachen lernen, meine jungen Freunde, wenn anders ihr durchaus Pessimisten 1871 "Hier ein Aufsatz, das zweite Stück eines grösseren, der langsam zum Druck kommt. Die griechische Tragödie ist anders zu Grunde gegangen als sämmtliche älteren schwesterlichen Kunstgattungen: sie endete tragisch, während jene alle des schönsten Todes verblichen sind. Der consensus sapientium beweist die Wahrheit.« – Werden wir heute noch so reden? Euripides – Sokrates – Nietzsche“, in: Jutta Georg / Claus Zittel (Hg. War nicht vielleicht gerade seine Reaktion gegen den angeblichen Verfall der Anfang vom Ende? Sokrates und Diogenes haben sich darin bewegt wie Fische im Wasser. Sokrates. Vergiss die Peitsche nicht!“. Vergessen wir auch jene Gehörs-Halluzinationen nicht, die als »Dämonion des Sokrates«, ins Religiöse interpretiert worden sind. Der Spiegel, der früher nur die großen und kühnen Züge wiedergegeben hatte, wurde treuer und damit gemeiner. Nietzsche beginnt mit Schopenhauer, den er als „unschuldigen Flötisten“ karikiert, der sich vergeblich an den bekannten – und laut Nietzsche komplett falschen – Grundsatz „neminem laede, immo omnes, quantum potes, juva“ klammert und damit seine Berechtigung als … Letztere dringt immer übermächtiger vor, bis sie auch in dem Bau des ganzen Drama's das entscheidende Wort spricht. Von einem Lebenden nicht, weil ein solcher Partei, ja sogar Streitobjekt ist und nicht Richter; von einem Toten nicht, aus einem andren Grunde. kommt, wenigstens der Gesinnung nach, jetzt zur Herrschaft. Das Glück war ihm ebensowenig wie die Masse hold: und da für einen Tragödiendichter jener Zeit die Masse eben das Glück machte, so begreift man, warum er bei Lebzeiten so sehr spärlich nur die Ehre eines tragischen Sieges errang. rächt er sich an den Vornehmen, die er fasziniert? über dem Eingangstor der Wissenschaft.« Und Kant sagt: »Die Grenzen seiner Erkenntnis, den Umfang derselben einzusehen und dadurch erkennen, daß … Nietzsche war kein Atheist in dem Sinne, dass er einen Gott für unmögl… Er leugnet die Weisheit gerade dort, wo ihr eigenstes Reich ist. Mit dem Tode des griechischen Musikdramas dagegen entstand eine ungeheure, überall tief empfundene Leere; man sagte sich, daß die Poesie selbst verloren gegangen sei, man schickte im Spott die verkümmerten abgemagerten Epigonen in den Hades, um sich dort von den Brosamen der vormaligen Meister zu nähren. und Sokrates war es auch? Die Instinkte bekämpfen müssen – das ist die Formel für décadence: so lange das Leben aufsteigt, ist Glück gleich Instinkt. – Sein Fall war im Grunde nur der extreme Fall, nur der in die Augen springendste von dem, was damals die allgemeine Not zu werden anfing: daß niemand mehr über sich Herr war, daß[954] die Instinkte sich gegeneinander wendeten. Dieser Todeskampf der Tragödie heißt Euripides, die spätere Kunstgattung ist als neuere attische Comödie bekannt. Durch ihn ist der neueren Comödie die Zunge gelöst worden, während man bis zu Euripides nicht wußte, wie man die Alltäglichkeit anständig auf der Bühne reden lassen sollte. Kakerlak oder die Geschichte eines Rosenkreuzers, Geschichte eines Teutschen der neusten Zeit. Das Tiefste aber, was gegen Sokrates gesagt werden konnte, hat ein Traumbild ihm gesagt. In der Art, wie er gegen ein ungeheures Übel, das er zu erkennen glaubte, ankämpfte, wie er als Einzelner sich mit der Wucht seines Talentes und Lebens demselben entgegenstemmt, offenbart sich noch einmal der Heldengeist der alten marathonischen Zeit. Das wahre schöpferische Vermögen des Dichters wird von Plato, weil dies nicht die bewußte Einsicht in das Wesen der Dinge sei, zu allermeist nur ironisch behandelt und dem Talente der Wahrsager und Zeichendeuter gleich geachtet. Zum Schluß eine einzige Frage. by Hildebrandt's monograph on Nietzsches Wettkampf mit Sokrates und Plato (Dresden 1922). Nach Euripides sei die klassische Tragödie Überall, wo noch die Autorität zur guten Sitte gehört, wo man nicht »begründet«, sondern befiehlt, ist der Dialektiker eine Art Hanswurst: man lacht über ihn, man nimmt ihn nicht ernst. Das Dasein ist in ihr etwas sehr Schreckliches, der Mensch etwas sehr Thörichtes. Auch der göttliche Plato ist in diesem Punkte dem Sokratismus zum Opfer gefallen: er, der in der bisherigen Kunst nur die Nachahmung der Scheinbilder sah, rechnete auch "die erhabne und hochgepriesene" Tragödie—wie er sich ausdrückt—zu den Schmeichelkünsten, die nur das Angenehme, der sinnlichen Natur Schmeichelnde, nicht das Unangenehme, aber zugleich Nützliche darzustellen pflegen. Was? Überall findet er das Wort des Gottes gerechtfertigt: er sieht die berühmtesten Männer seiner Zeit in einer Einbildung über sich begriffen und findet, daß sie nicht einmal über ihr Geschäft das richtige Bewußtsein haben, sondern es nur aus Instinkt treiben. 86. Sokrates wollte sterben – nicht Athen, er gab sich den Giftbecher, er zwang Athen zum Giftbecher... »Sokrates ist kein Arzt«, sprach er leise zu sich: »der Tod allein ist hier Arzt... Sokrates selbst war nur lange krank...«[956]. Blind vielmehr und mit verhülltem Haupte stürzt er in sein Unheil: und seine trostlose aber edle Geberde, mit der er vor dieser eben erkannten Welt des Schreckens stehen bleibt, drückt sich wie ein Stachel in unsre Seele. Die Wirkung der antiken Tragödie beruhte niemals auf der Spannung, auf der anreizenden Ungewißheit, was sich jetzt ereignen werde, vielmehr auf jenen großen breitgebauten Pathosscenen, in denen der musikalische Grundcharakter des dionysischen Dithyrambus wieder vorklang. Er faszinierte, indem er an den agonalen Trieb der Hellenen rührte – er brachte eine Variante in den Ringkampf zwischen jungen Männern und Jünglingen. Im Nebenwerk schuf er Dichtungen und musikalische Kompositionen. ist Dialektik nur eine Form der Rache bei Sokrates? In einem einzigen Falle hat Sokrates selbst die Gewalt der instinktiven Weisheit anerkannt, und dies gerade in sehr charakteristischer Weise. Hermann Josef Schmidt - 1969 - Hain. Was wir im Vergleich zur sophokleischen Tragödie so häufig bei Euripides als dichterischen Mangel und Rückschritt empfinden müssen, das ist das Resultat jenes energischen kritischen Prozesses, jener verwegenen Verständigkeit. Der Sokratismus verachtet den Instinkt und damit die Kunst. Aber der Verbrecher ist ein décadent. —, Man kennt die außerordentliche Verehrung, welche Euripides bei den Dichtern der neueren attischen Comödie genoß. Als aber das Abbild des Wortzwistes aus der Gerichtshalle sich auch in die Tragödie eingedrängt hatte, da entstand zum ersten Male ein Dualismus in dem Wesen und der Wirkung des Musikdramas. Auch ist überliefert, daß Sokrates sich des Besuchs der Tragödie enthielt und nur, wenn ein neues Stück des Euripides aufgeführt wurde, unter den Zuschauern sich einstellte. – Wie? Sokrates hat sich aber bis zu seinen letzten Tagen mit der Meinung beruhigt, seine Philosophie sei die höchste Musik. Additional Physical Format: Online version: Schmidt, Hermann Josef, 1939-Nietzsche und Sokrates. Was trieb den begabten Dichter so sehr dem allgemeinen Strome entgegen? Bei allen produktiven Naturen wirkt gerade das Unbewußte schöpferisch und affirmativ, während das Bewußtsein sich kritisch und abmahnend geberdet. wer wird das Ende abwarten wollen? – Aber ich komme auf das Problem des Sokrates zurück. –, – Hat er das selbst noch begriffen, dieser Klügste aller Selbst-Überlister? Jedermann kennt die sokratischen Sätze "Tugend ist Wissen: es wird nur gesündigt aus Unwissenheit. Brill 1966 (OCoLC)608848006 Online version: Sandvoss, Ernst. Ein Ausländer, der sich auf Gesichter verstand, sagte, als er durch Athen kam, dem Sokrates ins Gesicht, er sei ein monstrum – er berge alle schlimmen Laster und Begierden in sich. – Zum mindesten widerspräche dem jenes berühmte Physiognomen-Urteil nicht, das den Freunden des Sokrates so anstößig klang. Der Prozeß, der in der sogenannten Stichomythie seinen Anfang genommen hatte, setzte sich fort und drang auch in die längeren Reden der Hauptspieler. Sokrates hat sich aber bis zu seinen letzten Tagen mit der Meinung beruhigt, seine Philosophie sei die höchste Musik. Vortrag von Nietzsche im Basler Museumgehalten am 1. Als aber nun wirklich eine neue Kunstgattung aufblühte, die in der Tragödie ihre Vorgängerin und Meisterin verehrte, da war mit Schrecken wahrzunehmen, daß sie allerdings die Züge ihrer Mutter trage, aber dieselben, die jene in ihrem langen Todeskampfe gezeigt hatte. Von dem unendlich vertieften germanischen Bewußtsein aus erscheint jener Sokratismus als eine völlig verkehrte Welt; aber es ist anzunehmen, daß auch schon den Dichtern und Künstlern jener Zeit Sokrates mindestens sehr langweilig und lächerlich vorkommen mußte, besonders wenn er bei seiner unproduktiven Eristik noch den Ernst und die Würde einer göttlichen Berufung geltend machte. Schon vorher gab es ein Analogon in der Wechselrede zwischen dem Helden und dem Chorführer: aber hier war doch der dialektische Streit bei der Unterordnung des einen unter den anderen unmöglich. Vor allem wird damit ein vornehmer Geschmack besiegt; der Pöbel kommt mit der Dialektik obenauf. Mit ihr aber hatte der Hellene den Glauben an seine Unsterblichkeit aufgegeben, nicht nur den Glauben an eine ideale Vergangenheit, sondern auch den Glauben an eine ideale Zukunft. Wozu? Das Letztere ist er noch in einem viel tieferen Sinne als bis jetzt angedeutet werden konnte. tragischen Zeitalter der Griechen, SGT = Sokrates und die Tragödie, WL = Über die Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. Ich habe zu verstehn gegeben, womit Sokrates abstoßen konnte: es bleibt um so mehr zu erklären, daß er faszinierte. Das aber, was den Genuß solcher Scenen am stärksten erschwert, ist ein fehlendes Glied, eine Lücke im Gewebe der Vorgeschichte; so lange der Zuhörer noch ausrechnen muß, was diese und jene Person, was diese und jene Handlung für einen Sinn habe, ist seine volle Versenkung in das Leiden und Thun der Haupthelden, ist das tragische Mitleiden unmöglich. – Daß er eine neue Art Agon entdeckte, daß er der erste Fechtmeister davon für die vornehmen Kreise Athens war, ist das eine. Sobald der Gott auf der Maschine erscheint, merken wir, daß hinter der Maske Sokrates steckt und Glück und Tugend auf seiner Wage in Gleichgewicht zu bringen sucht. Feststeht, dass in Nietzsche s Gegnerschaft zu Sokrates und in besonderem Maße zu Platon eine Grundkonstante seines Denkens zu suchen ist, sodass sich der Gedanke aufdrängt, ihn mit den Sophisten zu parallelisieren, deren Lehren oftmals ähnlich antiplatonisch waren. Er sah hinter seine vornehmen Athener; er begriff, daß sein Fall, seine Idiosynkrasie von Fall bereits kein Ausnahmefall war. Gerade hier aber berühren wir die glänzende und in die Augen fallende Seite der euripideischen Neuerung: das Volk hat bei ihm sprechen gelernt; das rühmt er selbst im Wettkampfe mit Aeschylus: durch ihn versteht es jetzt. Sein berühmtester Satz ist „Gott ist tot!“ und der wird ebenso gern missverstanden wie sein Ausspruch „Du gehst zu Frauen? Man warnte die Jugend vor ihnen. Es ist lächerlich, einen Geist bei einer Mittagsmahlzeit erscheinen zu lassen: es ist lächerlich, von einer so geheimnißvollen, ernst-begeisterten Muse, wie es die Muse der tragischen Musik ist, zu verlangen, daß sie in der Gerichtshalle, in den Zwischenpausen dialektischer Gefechte singen solle. "Weisheit besteht in Wissen;" und "man weiß nichts, was man nicht aussprechen und anderen zur Überzeugung bringen kann." Es beruhe auf einer in der Frühzeit der Menschheit erfolgten Zurückwendung ihres Grausamkeitsinstinkts auf das eigene Ich, verbunden mit einer gegen den Urahn (als Gottheit) empfundenen Schuld. Die Dialektik dagegen ist von Grund ihres Wesens aus optimistisch: sie glaubt an Ursache und Folge und damit an ein nothwendiges Verhältniß von Schuld und Strafe, Tugend und Glück: ihre Rechenexempel müssen ohne Rest aufgehen: sie leugnet alles, was sie nicht begrifflich zerlegen kann. Diesen "unverständigen" Künstlern stellt Plato das Bild des wahren Künstlers gegenüber, des philosophischen und giebt nicht undeutlich zu verstehen, daß er selbst der Einzige sei, der dies Ideal erreicht habe, und dessen Dialoge in dem vollkommenen Staate gelesen werden dürfen. Euripides schafft die Gestalten, indem er sie zugleich zerlegt: vor seiner Anatomie giebt es nichts Verborgenes mehr in ihnen. Als die Lust an der Dialektik die Tragödie zersetzt hatte, entstand die neuere Komödie mit ihrem fortwährenden Triumphe der Schlauheit und der List. CiteScore 2016: 0.05 SCImago Journal Rank (SJR) 2016: 0.100 Source Normalized Impact per Paper (SNIP) 2016: 0.119 Aber Häßlichkeit, an sich ein Einwand, ist unter Griechen beinahe eine Widerlegung. SOKRATES und die griechische Tragoedie von Dr. Friedrich Nietzsche Professor in Basel. Inspiriert von den Kupferstichen von Jacques Callot schreibt E. T. A. Hoffmann die Geschichte des wenig talentierten Schauspielers Giglio der die seltsame Prinzessin Brambilla zu lieben glaubt. 6 The original manuscript, entitled Socrates und die Griechische Tragodie, has – Was beweist das? Angesichts von Leid und Unvollkommenheit könne die Welt nur durch das Ästhetische, die Kunst gerechtfertigt werden. Reproduction in any form is strictly prohibited. Friedrich Wilhelm Nietzsche (Aussprache: [ˈniːtʃə]; * 15. Wenn man nötig hat, aus der Vernunft einen Tyrannen zu machen, wie Sokrates es tat, so muß die Gefahr nicht klein sein, daß etwas andres den Tyrannen macht. Die Wissenschaft aber und die Kunst schließen sich aus: von diesem Gesichtspunkte ist es bedeutsam, daß Sokrates der erste große Hellene ist, welcher häßlich war; wie an ihm eigentlich alles symbolisch ist. Bei der außerordentlichen Flachheit und Dürftigkeit des ethischen, gänzlich unentwickelten Denkens erscheint nur zu oft der ethisch dialektisirende Held als der Herold der sittlichen Trivialität und Philisterei. Wenn dies Element in die Tragödie eindringt, so entsteht ein Dualismus wie zwischen Nacht und Tag, Musik und Mathematik. Sokrates bleibt noch eine Weile grübelnd und allein draußen, was die Anwesenden verwundert. wackelig? Der besonnenen Gemüthsart widerstrebe eine so mannigfaltige und bunte Kunst, für die reizbare und empfindliche sei sie ein gefährlicher Zunder: Grund genug, die tragischen Dichter aus dem idealischen Staate zu verbannen. Er lädt Aristodemos ein, einfach mitzukommen, auch wenn dieser nicht eingeladen ist. Jetzt konnte er auch den Mythus freier gestalten, weil er durch den Prolog jeden Zweifel über seine Gestaltung des Mythus heben konnte. Die gleiche Art von Degenereszenz bereitete sich überall im Stillen vor: das alte Athen ging zu Ende. Es ist unanständig, alle fünf Finger zeigen. Aber sie sprechen sich auch ganz aus, während die aeschyleisch-sophokleischen Charaktere viel tiefer und voller sind als ihre Worte: sie stammeln eigentlich nur über sich. Ganz anders reflektirte Euripides. Niemals ist ihm ein Zweifel über die Richtigkeit der ganzen Fragestellung gekommen. [951] Über das Leben haben zu allen Zeiten die Weisesten gleich geurteilt: es taugt nichts... Immer und überall hat man aus ihrem Munde denselben Klang gehört – einen Klang voll Zweifel, voll Schwermut, voll Müdigkeit am Leben, voll Widerstand gegen das Leben. Sokrates hörte, wenn er handeln wollte, die abratende Stimme des unbegriffenen Daimonion. Mit Sokrates schlägt der griechische Geschmack zugunsten der Dialektik um: was geschieht da eigentlich? Man fühlte, wie sich Aristophanes ausdrückt, eine so innig-heiße Sehnsucht nach dem Letzten der großen Todten, wie wenn jemanden ein plötzlicher starker Appetit nach Sauerkraut anwandelt. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der Forschung wider, sodass bisher vergleichsweise spärlich zu Nietzsche und den Sophisten publiziert worden ist. Sokrates.. — Wenn alles gut geht, wird die Zeit kommen, da man, um sich sittlich-vernünftig zu fördern, lieber die Memorabilien des Sokrates in die Hand nimmt als die Bibel, und wo Montaigne und Horaz als Vorläufer und Wegweiser zum Verständnis des einfachsten und unvergänglichsten Mittler-Weisen, des Sokrates, benutzt werden. War Sokrates ein typischer Verbrecher? Die sokratische Mißachtung des Instinktiven hat auch noch ein zweites Genie, außer Euripides, zu einer Reform der Kunst veranlaßt und zwar zu einer noch radikaleren. Der Augenblick und der Witz sind seine höchsten Gottheiten; der fünfte Stand, der des Sklaven. Was sich erst beweisen lassen muß, ist wenig wert. Nietzsche kritisiert den Rationalismus des Sokrates-Platonismus und wird normalerweise als „Feind der Aufklärung“ oder sogar „Anti-Aufklärer“ bezeichnet. Die absichtlich derbe und rücksichtslose Verurtheilung der Kunst hat bei Plato etwas Pathologisches: er, der sich zu jener Anschauung nur im Wüthen gegen das eigne Fleisch erhoben hat, er der seine tief künstlerische Natur zu Gunsten des Sokratismus mit Füßen getreten hat, offenbart in der Herbigkeit jener Urtheile, daß die tiefste Wunde seines Wesens noch nicht vernarbt ist. – Wie? Dies ist sehr verwunderlich. Andererseits hatte Nietzsche klar behauptet, daß er den Geist der Aufklärung zurückrufen und die Aufgabe der Aufklärung fortsetzen wollte. Gleiches aber wird nur von Gleichem erkannt. Honette Dinge tragen, wie honette Menschen, ihre Gründe nicht so in der Hand. Auf décadence bei Sokrates deutet nicht nur die zugestandne Wüstheit und Anarchie in den Instinkten: eben dahin deutet auch die Superfötation des Logischen und jene Rhachitiker-Bosheit, die ihn auszeichnet. Wenn aber Nietzsche dem Sokrates bescheinigt, daß er sich nur "ironice verheiratet" hat (F. Nietzsche: Zur Genealogie der Moral, 3. Die unbewußte Weisheit erhebt bei diesem ganz abnormen Menschen ihre Stimme, um dem Bewußten hindernd hier und da entgegenzutreten. Die Tragödie gieng an einer optimistischen Dialektik und Ethik zu Grunde: das will eben so viel sagen als: das Musikdrama gieng an einem Mangel an Musik zu Grunde. Alle diese Fragen werden augenblicklich bei uns laut. Man könnte sagen, daß hier ein Beispiel vorläge, wie der Recensent zum Dichter werden könne. – Von seiten eines Philosophen im Wert des Lebens ein Problem sehn, bleibt dergestalt sogar ein Einwurf gegen ihn, ein Fragezeichen an seiner Weisheit, eine Unweisheit. Der Held, der durch Grund und Gegengrund seine Handlungen vertheidigen muß, ist in Gefahr, unser Mitleiden einzubüßen: denn das Unglück, das ihn nachher dennoch trifft, erweist dann eben nur, daß er sich irgendwo verrechnet hat. Selbst Sokrates hatte es satt. Oktober 1844 in Röcken;  25. Man muß[951] durchaus seine Finger danach ausstrecken und den Versuch machen, diese erstaunliche finesse zu fassen, daß der Wert des Lebens nicht abgeschätzt werden kann. Kunst/Nietzsche/Danto: das Misstrauen dem Künstlergegenüber, das Nietzsche an Sokrates kritisiert hatte, vertritt er später allerdings selber. Der Verfall der Tragödie, wie ihn Euripides zu sehen glaubte, war eine sokratische Phantasmagorie: weil niemand die Weisheit der alten Kunsttechnik hinreichend in Begriffe und Worte umsetzen konnte, leugnete Sokrates und mit ihm der verführte Euripides jene Weisheit. Leiden, E.J. Nietzsche Und Sokrates Philosophische Untersuchungen Zu Nietzsches Sokratesbild. Februar 1870. Endlich im Gefängniß versteht er sich, um sein Gewissen ganz zu entlasten, auch dazu, jene "gemeine" Musik zu machen. Zwischen dieser epischen Vorschau und Hinausschau liegt die dramatisch-lyrische Wirklichkeit und Gegenwart. Daß eine einzeln auftretende Person, Gottheit oder Heros, am Eingange des Stücks erzählt, wer sie sei, was der Handlung vorangehe, was bis jetzt geschehen, ja was im Verlauf des Stückes geschehen werde, das würde ein moderner Theaterdichter geradezu als muthwillige Verzichtleistung auf den Effekt der Spannung bezeichnen. Sollte er nicht ungerecht gegen Aeschylus und Sophokles gewesen sein? Im Vollgefühl dieses seines dramaturgischen Vortheils wirft Euripides in den aristophanischen Fröschen dem Aeschylus vor: "So werd' ich also gleich an Deine Prologe gehn um dergestalt den ersten Theil der Tragödie zuerst ihm zu kritisiren, diesem großen Geist! Mit jenem Wettkampf wurde an ein Element in der Brust des Zuhörers appellirt, das bis dahin als kunstfeindlich und musenverhaßt aus den festlichen Räumen der dramatischen Künste verbannt war: die "böse" Eris. Sokrates war auch ein großer Erotiker. Ich will oder kann hier nur ein Beispiel jener produktiven Kritik anführen, ob es gleich eigentlich nöthig wäre, jenen Gesichtspunkt an allen Differenzen des euripideischen Dramas aufzuweisen. Man hatte im griechischen Alterthum ein Gefühl von der Zusammengehörigkeit beider Namen, des Sokrates und des Euripides. Auch mißtraute man allem solchen Präsentieren seiner Gründe. Allmählich sprechen alle Personen mit einem solchen Aufwand von Scharfsinn, Klarheit und Durchsichtigkeit, so daß für uns wirklich beim Lesen einer sophokleischen Tragödie ein verwirrender Gesammteindruck entsteht. ), Nietzsches Philosophie des Unbewussten, Berlin 2012, 11–30 Was führte ihn von einem Wege ab, der von Männern wie Aeschylus und Sophokles betreten war, und über dem die Sonne der Volksgunst leuchtete? Nichts kann unserer Bühnentechnik widerstrebender sein als der Prolog bei Euripides. ): »Hier muß jedenfalls etwas wahr sein! Im andern Falle erscheint sie als niedergehende Entwicklung. und alle diese großen Weisen – sie wären nicht nur décadents, sie wären nicht einmal weise gewesen? Er hat wirklich einige prosaische Fabeln, die ihm bekannt waren, in Verse gebracht, doch glaube ich nicht, daß er mit diesen metrischen Übungen die Musen versöhnt hat. – Ist die Ironie des Sokrates ein Ausdruck von Revolte? Ich habe in meinem letzten Vortrage absichtlich nur wenig über die Grenzen der Musik im griechischen Musikdrama gesagt: im Zusammenhange dieser Erörterungen wird es verständlich sein, wenn ich die Grenzen der Musik im Musikdrama als die gefährlichen Punkte bezeichnet habe, an denen sein Zersetzungsprozeß begann. dürfen wir das? – Es ist ein Selbstbetrug seitens der Philosophen und Moralisten, damit schon aus der décadence herauszutreten, daß sie gegen dieselbe Krieg machen. Dabei ist es sehr bedeutsam, daß dieser Prozeß in der Komödie zu Ende kommt, während er doch in der Tragödie begann. Diese Selbttötung führte der große Tragödiendichter Euripides aus– und kein anderer als Sokrates reichte ihm dazu den Dolch. K. Hildebrandt's Nietzsches Wettkampf mit Sokrates und Plato (2nd ed. Jener consensus sapientium – das begriff ich immer besser – beweist am wenigsten, daß sie recht mit dem hatten, worüber sie übereinstimmten: er beweist vielmehr, daß sie selbst, diese Weisesten, irgendworin physiologisch übereinstimmten, um auf gleiche Weise negativ zum Leben zu stehn – stehn zu müssen. Soll der Germane wirklich jenem entschwundenen Kunstwerk der Vergangenheit nichts anderes zur Seite stellen dürfen, als die "große Oper," ungefähr wie neben Herkules der Affe zu erscheinen pflegt? Euripides ist der erste Dramatiker, der einer bewußten Aesthetik folgt. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Voraussetzung für die Lehre des Übermenschen, ist die These, dass Gott tot ist. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. - Im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe noch nicht abgedruckte Texte werden zitiert nach: F. Nietzsche, Gesammelte Werke, Musarion-Ausgabe (1922) (abgekürzt: MusA).

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